Am Obstmarkt

Im letzten Jahrhundert prägte der Obst- und Gemüsegroßmarkt am Rand der Bahnhofstraße das Bild von Meckenheim. 2009 löste die Generalversammlung die Genossenschaft auf. Wo vorher die Markthalle stand, haben heute fast 30 Familien ihr Zuhause gefunden.

Am Anfang standen Kleinbauern und Landwirte, die sich 1928 zu einer Genossenschaft zusammenschlossen, um „für ihre selbsterzeugten landwirtschaftlichen Produkte Preise zu erzielen, die marktgerecht waren“. Stachelbeeren, Rhabarber, Kirschen oder Bohnen wurden am ehemaligen Waaghäusel aufgestellt, als es noch keine Markthalle gab. Händler und Bauern schlossen an der Kreuzung von Bahnhofstraße, Haßlocherstraße, Heerstraße und Steingasse direkt ihre Geschäfte ab.

Meckenheim wird zur Obstbaugemeinde

Unter der NS-Herrschaft wurde die Genossenschaft 1936 per Gesetz verboten und der Obstmarkt fungierte bis 1946 als Bezirksabgabestelle für Obst und Gemüse. Nach dem Krieg wurde Meckenheim zur Obstbaugemeinde, mehr und mehr Felder wurden mit Obstbäumen bepflanzt, der Umsatz der Genossenschaft wuchs: „Ohne den Obstmarkt wäre ich nicht so stark in den Obstbau eingestiegen“, erklärt zum Beispiel Willi Groß, 86. „Ich habe vom Obstbau gelebt, ohne unseren Markt wäre ich aufgeschmissen gewesen, hätte immer nach Weisenheim am Sand fahren müssen.“

„Morgens lieferten die Bauern das Obst an, um 14.00 Uhr wurde versteigert, am Abend hatten die Händler das Obst weggefahren, die Halle war wieder leer.“ So beschreibt Alfred Platt, letzter Geschäftsführer, den Tagesablauf. Auch Erzeuger aus Haßloch, Mußbach, Rödersheim, Gronau, Lachen-Speyerdorf, Branchweilerhof konnten Obst und Gemüse über den Meckenheimer Markt verkaufen. „Der Meckenheimer Markt war, solange er florierte, ein Segen für uns“, erinnert sich Heinrich Scherner aus Gronau. Auch Kleinerzeuger konnten ihr Obst und Gemüse hier anbieten.

Der Pfalzmarkt wird stärker

Nach einer Umsatzspitze von über zwei Millionen D-Mark jährlich ging der Verkauf ab Mitte der 80er Jahre zurück. Das Abkommen der Europäischen Gemeinschaft (EG) mit Jugoslawien ließ 1984 den Sauerkirschenmarkt einbrechen, beim Straßenverkauf konnten Mitglieder teilweise mehr verdienen als bei den Obstmarkt-Versteigerungen, und die den Meckenheimer Markt dominierenden Kleinhändler wurden durch Großhändler abgelöst. „Wo wir noch Paletten lieferten, kauften sie auf dem Pfalzmarkt Tonnagen,“ erklärte der letzte Vorsitzende der Genossenschaft Karlheinz Götz. Vorstand und Aufsichtsrat entschieden sich 1994 für eine Kooperation mit dem Pfalzmarkt in Mutterstadt. Das Obst wurde noch einige Jahre in Meckenheim angeliefert und zur Versteigerung nach Mutterstadt gefahren.

Wir bedanken uns bei den Meckenheimer Grundschülern, für die vielen schönen Bilder.

Eine Tafel errinnert

Eine 2014 aufgestellte Tafel, gestiftet von der Genossenschaft, erinnert heute an den Standort des ehemaligen Obstmarkts. Der Text auf der Tafel: Ehemaliges Gelände des Obst- und Gemüsegroßmarktes Meckenheim e.G.

Der Anbau von Obst und Gemüse war in Meckenheim bereits im 19. Jahrhundert von großer Bedeutung. 1928 schlossen sich Landwirte und Kleinbauern zu einer Genossenschaft zusammen, um ihre Erzeugnisse zu gerechten Preisen an die Händler zu verkaufen. Bis zur Auflösung im Jahre 2009 war der Obstmarkt – so wurde die Genossenschaft im Volksmund genannt – ein wichtiger Faktor im aufstrebenden Meckenheim.

Der Obstmarkt wird zum Baugebiet

2009 beendete der Obstmarkt Meckenheim seine Arbeit, an Stelle des Vorstands übernahmen „Liquidatoren“ die Aufgabe, den Obstmarkt aufzulösen. 2012 wurde das Gebäude abgerissen, das Gelände von der Gemeinde Meckenheim als Baugebiet „Am Obstmarkt“ erschlossen. Die 27 Grundstücke sind fast alle bebaut und bezogen. Tobias Rheinwald, der mit seiner Familie hier wohnt, freut sich über das gute nachbarschaftliche Verhältnis. Mit etwas Wehmut denkt er manchmal daran, dass ihr Haus dort steht, wo er als Kind auf der Kerwe Autoscooter fuhr.

Text: Friedrich Müller
Bild: Maximilian, Perwin, Luca, Hila, Antonja [Klasse 3]

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